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Chironico bis Biasca

Dienstag, 14. 10. 2008

Einsam führt der Weg hoch über der Leventina durch, vorbei an uralten, riesengrossen Kastanienbäumen. Auf der Bogenbrücke überqueren wir die tiefe Schlucht der Cramosina. Auf einem exponierten Ziegenweg steigen wir steil hinunter durch ein Bergsturzgebiet. Otto sucht mit dem GPS verzweifelt nach verirrten Satellistrahlen. Durch dichte Wälder aus Birken, Kastanien und Rottannen, an romatischen Rustici vorbei, wandern wir zur Doppelbogenbrücke mit impostantem Wasserfall.

An einem lauschigen Plätzchen inmitten von Edelkastanien legen wir einen kurzen Halt ein, bevor wir bei Personico wieder in die Zivilisation eintauchen.

Auf dem Damm des Ticino ist es definitiv vorbei mit der Ruhe. Rechts detonieren Sprengungen der Granitsteinbrüche, links brausen die Lastwagen auf der Autobahn Richtung Süden. Über die alte Brennobrücke erreichen wir Biasca, früher auch Etappenort der Säumer am Gotthardweg.

Im 18. Jahrhundert zogen hier 300 Saumtiere pro Woche durch. Heute freuen sich zwei Maulesel auf ein gutes Znacht. Aber vorher wird wie jeden Abend gewaschen. Die Ahle von Ottos Sackmesser verankert unsere Wäscheleine an jeder Wand. 

                                   

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Biasca bis Bellinzona

Mittwoch, 15. 10. 2008

Harmlos fängt die heutige Etappe an, unterhalb von grossen Steinbrüchen auf der rechten Talseite bergwärts. Dann aber suchen wir entweder im mannhohen Gras oder im dichten Unterholz etwas Wegähnliches. Im Weiler Sceresa wandern wir an einem ehemaligen Dörrhaus vorbei. Über eine alte efeuüberwachsene Bogenbrücke kommen wir bald nach Iragna, wo die Zäune meist aus Granitplatten bestehen.

Mehrere Kilometer lang folgen wir dem rechten Ufer des Ticino und überqueren ihn bei Osogna. Eigentlich könnten wir weiter dem Ticino folgen und in wenigen Stunden in Bellinzona sein. Wir aber wählen den Weg hoch oben auf der linken Talseite. Steil geht es hinauf entlang von halb zerfallenen Bildstöcken zur Kirche Sta. Pietà, die über Osogna trohnt.

Ab hier wird es für die nächsten Stunden abenteuerlich. Ottos fundierte Kartenkenntnisse, seine langjährige Militärerfahrung im Tessin sowie das GPS helfen uns, im weglosen Kastanienhain mit vielen Felsblöcken den Pfad zu finden.

Nach 500 Höhenmetern schalten wir auf der Hochebene von Moncrino eine wohlverdiente Rast ein. Weiterhin durch unendlich viele Kastanienwälder steigen wir hinab zum imposant gelegenen Monastero di Sta. Maria oberhalb Claro. In der Klosterkapelle gönnen wir uns ein paar Minuten Ruhe und zünden für uns eine Kerze an. Zu unserer grossen Freude entdecken wir, dass ein kleines Seilbähnchen ins Tal runter fährt. Den Fahrpreis müssen wir an der Pforte durch den dafür vorgesehenen Schlitz einer der in diesem geschlossenen Kloster lebenden Nonne bezahlen.

Nach dieser strengen aber wunderschönen Tagesetappe mit vielen Auf- und Abstiegen in schwierigem Gelände nehmen wir in Claro den Bus, der uns nach Bellinzona bringt. 

                                       

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Bellinzona bis Isone

Donnerstag, 16. 10. 2008

Der dunkle Himmel über Bellinzona verheisst nichts Gutes. Zügig ziehen wir los und studieren das gelungene Nebeneinander von alter und topmoderner Architektur in Ravecchia und Giubiasco. Beeindruckt stehen wir vor einer Entsorgungsstation, die auch für Degersheim ein Beispiel sein könnte.

Ausgangs Giubiasco steht ein kleiner runder Turm, der zusammen mit vier weiteren Türmen, eine 1854 unter General Dufour fertig gestellte Verteidigungslinie quer über die Ticino-Ebene bildete.

Unser Weg führt 750 Höhenmeter hinauf auf die Alpe di Tiglio. Dass es unterwegs zu regnen anfängt, hat auch Vorteile. Zum einen hätten wir unsere Regenausrüstung sonst vergebens mitgetragen, zum andern hätten wir nicht 12 wunderschöne Feuersalamander gesehen. Weil das nasse Laub so rutschig und die Sicht das Tobel runter so furchterregend ist, überlegt sich Griselda für einen kurzen Moment, sich wie ein Salamander auf allen Vieren weiter zu bewegen. Aber so kämen wir ja nie nach Isone!

Beim Abstieg vom Waffenplatz auf der Alpe di Tiglio nach Isone hört Griselda ehrfürchtig zu, während Otto mit glänzenden Augen von früheren militärischen Abenteuern in dieser Gegend schwärmt.

Nach dem Zimmerbezug in Isone spazieren wir zur Kampfbahn. So sehr sich Otto auch anstrengt - die Hindernisse erscheinen 35 Jahre schwieriger. Nach dem ersten Sturz in den Bärengraben verzichtet er auf weiteres Imponiergehabe vor der Frischvermählten.

In einer der Dorfbeizen fasst Griselda das Tagesgeschehen wie jeden Abend zusammen. Otto wartet bei einem Glas Frizzantino auf seinen Einsatz, nämlich das Tippen des Diktats fürs Internet. 

                                   

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